Weltklasse trifft Allgäu – Interview mit Henry Graf
- Alisa

- vor 5 Tagen
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Henry Graf gehört aktuell zu den besten Kurzdistanz-Triathleten der Welt. Er ist Junioren-Europameister Triathlon (2021) und amtierender Deutscher Meister auf der Triathlon-Sprintdistanz (2025). Nach seinem Podium beim fünften Saisonrennen der World Triathlon Championship Series (WTCS) in Hamburg geht es für ihn im August in die Allgäuer Berge zum Bundesliga-Rennen am Großen Alpsee. Im Interview spricht der Suzuki-Athlet darüber, was einen Sprint so spektakulär macht, warum er bergige Strecken mag, wie er mit Nervosität vor dem Start umgeht und was er Menschen mit auf den Weg gibt, die gerade vor ihrem ersten Triathlon stehen.

Henry, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem Podium in Hamburg. Das Podium war dein Ziel – wie fühlt es sich an, es tatsächlich erreicht zu haben?
Das Podium war mein Ziel. Natürlich weiß ich, wie stark die Konkurrenz ist. Umso mehr hat mich bestätigt, dass sich die Arbeit der vergangenen Monate ausgezahlt hat. Nur weil man sich etwas als Ziel setzt, heißt das schließlich noch lange nicht, dass es einfach wird. Deshalb habe ich mich wirklich sehr darüber gefreut – vor allem, weil es mein erstes Podium auf der Sprintdistanz war. Mein Schwimmen war nicht optimal, aber das Feld lag noch eng zusammen. Auf dem Rad habe ich mich eher zurückgehalten und beim Laufen wurde es dann von Runde zu Runde schneller. Am Ende war ich mit dem Ergebnis wirklich sehr happy.
Von Hamburg geht es im August ins Allgäu. Die Kulissen könnten nicht unterschiedlicher sein – freust du dich auf die Berge?
Auf jeden Fall. Im Triathlon haben wir gar nicht so viele Strecken, auf denen wirklich einige Höhenmeter zusammenkommen. Genau deshalb finde ich das besonders cool. Beim Allgäu Triathlon selbst war ich bisher noch nicht, aber ich war schon einmal zum Trainieren in der Region – das ist allerdings schon etwas länger her. Ich freue mich deshalb darauf, das Rennen und die Atmosphäre vor Ort kennenzulernen.

Viele Menschen verbinden Triathlon vor allem mit langen Distanzen. Was ist das Faszinierende an einem Bundesliga-Sprint?
Auf der kurzen Distanz kann man sich noch weniger Schwächen oder Fehler erlauben. Wenn du zum Beispiel beim Schwimmen den Anschluss verlierst, ist es sehr schwer, das später wieder gutzumachen. Alles passiert unglaublich schnell, die Intensität ist sehr hoch und durch das Windschattenfahren liegt das Feld lange eng zusammen. Für mich ist vor allem dieses direkte Gegeneinander das Besondere.
Am Freitag kämpft ihr in der Bundesliga um Sekunden und Platzierungen, am Sonntag stehen beim Allgäu Triathlon viele Menschen am Start, die teilweise ihren allerersten Triathlon absolvieren. Was würdest du ihnen mit auf den Weg geben?
Das Wichtigste ist, sich das Rennen gut einzuteilen und sich gut zu verpflegen. Gerade beim ersten Triathlon sollte man aber auch versuchen, Spaß zu haben und das Ganze zu genießen. Man sollte keine Angst davor haben. Die meisten haben sich schließlich gut vorbereitet und lange auf diesen Tag hingearbeitet.
Du hast gerade vom Genießen gesprochen. Gelingt dir das als Profi überhaupt noch – gerade wenn vor einem Rennen Druck und Nervosität dazukommen?
Ich versuche, mich dann bewusst wieder mehr in den Moment zu holen. Wir sind bei unseren Rennen schließlich oft an unglaublich schönen Orten. Dann erinnere ich mich daran: Ich stehe hier gerade an einem schönen See oder am Meer und mache gleich ein Rennen. Eigentlich ist das doch ziemlich geil. Wenn man nervös ist oder sich selbst Druck macht, kann sich ein Wettkampf schnell etwas bedrohlich anfühlen. Mir hilft es dann, das Ganze wieder auf das Wesentliche herunterzubrechen: Ich stehe an einem coolen Ort, springe gleich ins Wasser und darf gegen andere ein Rennen machen. Darauf habe ich eigentlich richtig Bock.
Triathlon begleitet dich schon dein ganzes Leben. Deine Eltern waren beide selbst erfolgreich in diesem Sport. Wie sehr hat dich das geprägt?
Dadurch war natürlich schon früh die Connection zum Triathlon da. Bei uns in der Nähe gab es einen Kindertriathlon, bei dem ich schon relativ früh mitgemacht habe. Ich habe dann aber erst einmal hauptsächlich Schwimmen gemacht und bin später selbst wieder zum Triathlon gekommen.Meine Eltern haben mich dabei nie in eine bestimmte Richtung gedrängt. Auch heute sind sie noch viel dabei, halten sich aber eher zurück und mischen sich nicht zu sehr ein. Ich glaube, das ist eigentlich ganz cool so: Durch sie hatte ich früh den Bezug zum Sport, konnte aber meinen eigenen Weg gehen.
Du bist als Profi ständig im Training und auf Reisen. Was macht Henry Graf, wenn gerade einmal kein Training auf dem Plan steht?
(lacht) Wenn ich nicht trainiere...Ja gut, das ist bei uns ja ziemlich viel. Ich versuche mich immer gut zu recovern und nebenbei studiere ich Wirtschaftsinformatik im Fernstudium. Wenn noch Energie da ist, gehe ich in Freiburg gerne an die Dreisam oder an einen See, spiele eine Runde Tischtennis oder mache einfach mal gar nichts und schaue mir irgendetwas an.
Du gehörst aktuell zu den besten Kurzdistanz-Triathleten der Welt. Welche Ziele hast du noch?
Ein Ziel ist das Finale der Weltmeisterschaftsserie, das im kommenden Jahr in Hamburg stattfindet. Mein großes Ziel sind die Olympischen Spiele in Los Angeles. Ich möchte mich dafür qualifizieren und zeigen, dass ich auf dieses Niveau gehöre. Genau darauf arbeite ich jeden Tag hin.
Was ist die wichtigste Lektion, die dir der Sport bisher beigebracht hat?
Der Sport hat mir beigebracht, dass man große Ziele haben und konsequent verfolgen sollte. Gleichzeitig habe ich gelernt, auf meinen Körper zu hören. Gerade bei der Belastungssteuerung oder nach Verletzungen ist Geduld oft der schnellere Weg zum Erfolg. Durch den Sport habe ich gelernt, mich selbst und meinen Körper immer besser kennenzulernen.

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