30 Jahre am Streckenrand vom Allgäu Triathlon
- Alisa

- 6. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
"So schnell gehen 30 Jahre um." Thomas Grimm muss selbst lachen, als er das sagt. Eigentlich wollte ich ihn nur nach den Anfängen fragen. Doch mit jeder Erinnerung kommt die nächste und plötzlich ist fast eine Stunde vergangen. Er erzählt von den ersten Jahren des Allgäu Triathlons, von einem kleinen Parkplatz an der Schönstatt bei Memhölz, von Wasser aus dem Hydranten und von einem Athleten, dem er kurzerhand sein eigenes Rennrad lieh.

1997 
2025
Es sind genau diese Geschichten, die den Allgäu Triathlon seit über vier Jahrzehnten prägen. Seit 1996 organisiert der Sportverein Niedersonthofen die Verpflegungsstation an der Radstrecke. Thomas und Bärbel Grimm waren vom ersten Tag an dabei. Damals sah vieles noch anders aus.
"German (Altenried, Gründer des Allgäu Triathlons, Anm. d. Red.) hat mich damals angerufen und gesagt: 'Du, wir planen neue Radstrecken. Wir wollen einmal auf die andere Seite vom Allgäu wechseln.' Ich war gerade ganz frisch Vorstand beim Sportverein. Da haben wir gesagt: Ja klar, das machen wir."
Die erste Verpflegungsstation stand nicht in Niedersonthofen, sondern an der Schönstatt oberhalb von Memhölz. Logistisch war das eine Herausforderung. Die Feuerwehr brachte Wasser aus einem Hydranten, alle Helfer mussten hochgefahren werden und organisiert wurde fast alles in Eigenregie.
"Gel und Riegel gab's damals noch nicht", erzählt Thomas und lacht. "Wir hatten Wasser, Iso und Bananen."
Damals gehörte noch deutlich mehr zur Aufgabe als heute. Die Gemeinde musste informiert, Verkehrsschilder organisiert, Kreuzungen abgesichert und Helfer eingeteilt werden. Bärbel schmierte Wurstsemmeln, Getränke wurden besorgt und am Ende des Tages saßen alle noch zusammen. "Es hieß einfach: Ihr macht die Verpflegungsstation."
Was geblieben ist, sind nicht nur die vielen Helferinnen und Helfer, sondern vor allem die Begegnungen. An einen Athleten erinnert sich Thomas bis heute besonders gut. "Er hatte einen Defekt am Rad und war völlig verzweifelt. Er hatte so lange auf den Allgäu Triathlon trainiert und dachte, jetzt ist alles vorbei. Da habe ich gesagt: 'Weißt du was? Du kriegst jetzt mein Rennrad.' " Mit Thomas' Rad fuhr der Athlet den Wettkampf zu Ende. Am nächsten Tag stand er gemeinsam mit seiner Frau wieder vor der Haustür der Familie Grimm. "Wir haben zusammen einen Kaffee getrunken. Er wollte sich einfach bedanken."
Dann gibts da noch die Geschichte von dem spanischen Athleten, dessen spezieller Reifen nicht mehr zu reparieren war. Eine Frau aus dem Dorf sprach Spanisch und kümmerte sich stundenlang um ihn, bis er abgeholt wurde. "Hinterher hat er uns sogar geschrieben, wie dankbar er dafür war."
Auch Bärbel denkt bei den vergangenen 30 Jahren nicht zuerst an Organisation oder Logistik, sondern an die Menschen. "Die Sportler sind eigentlich immer wahnsinnig nett. Die Ersten rauschen einfach durch, aber später wird's richtig lustig. Dann fragen sie nach Schwarzwälder Kirschtorte oder nach Bier. Manche spritzen uns mit der Wasserflasche nass. Das gehört einfach dazu."
Während der Allgäu Triathlon immer größer und professioneller geworden ist, hat sich eines nie verändert. "Es war nie ein Problem, Helfer zu finden", sagt Thomas. "Die Leute hatten einfach Lust mitzuhelfen." Heute kümmern sich Behörden, Polizei und Feuerwehr um vieles, was früher beim Sportverein lag. Aus einem kleinen Hinweis im Gemeindeblatt sind ganze Sonderveröffentlichungen geworden. Aus einem regionalen Wettkampf ein internationales Event.
Und trotzdem fühlt sich manches noch genauso an wie damals. "Mit German ist über die Jahre eine richtige Freundschaft entstanden", erzählt Thomas. "Und auch heute macht uns die Zusammenarbeit mit dem Team von 808project unglaublich viel Freude. Genau das macht den Sport aus. Nicht nur der Wettkampf, sondern alles, was drum herum entsteht."
Ob sie nach 30 Jahren ans Aufhören denken? Thomas muss nicht lange überlegen. "Nein. Solange es Spaß macht, ist das keine Option." Der Allgäu Triathlon gehört längst zum Jahreskalender des Sportvereins Niedersonthofen. Und irgendwann, da ist sich Thomas sicher, werden andere übernehmen. "Aber das Schöne ist: Es stehen schon die Nächsten bereit."
Und genau das ist das Besondere am Allgäu Triathlon. Nicht nur die Menschen, die Jahr für Jahr an den Start gehen. Sondern auch diejenigen, die seit Jahrzehnten am Streckenrand stehen, Becher reichen, Reifen wechseln, Mut zusprechen und aus einer Verpflegungsstation einen Ort machen, an den sich viele noch lange erinnern.





