Zwischen Trainingsplan und Meerblick – SCYENCE x 808. Roadbike Training Camp
- Alisa

- vor 5 Tagen
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Ich bin nach Mallorca geflogen und wusste genau, worauf ich mich einlasse: Nicht nur „ein bisschen Radeln in der Sonne“, sondern eine Woche, in der Trainingspläne, Wattzahlen und Laktatstreifen genauso zum Alltag gehören wie Meerblick und Café con leche. Das SCYENCE x 808. Roadbike Training Camp ist quasi ein kleines Trainingslabor auf zwei Rädern – nur eben draußen, auf den schönsten Straßen der Insel. Und trotzdem: Die Stimmung ist locker, der Ton freundlich, die Coaches nahbar. Man merkt schnell, dass hier nicht nur gefahren wird, sondern verstanden. Warum bestimmte Intervalle so sind, wie sie sind. Wo die Technik hakt. Und wie man alles so verbindet, dass am Ende echte Fortschritte entstehen – ohne dass jemand „Profi“ sein muss.
Die Coaches starten nicht mit großen Ansprachen, sondern mit klaren Fragen: „Was ist dein +Ziel? Was brauchst du, um es zu erreichen?“ Kein Druck, aber ein spürbares Interesse. Bei der ersten Ausfahrt zeigt sich dann sofort, was die Gruppe ausmacht: Ambition, ja – Ego, nein. Jeder weiß, warum er hier ist, aber keiner fährt den anderen in den Boden.
Die Mischung im Feld ist spannend: Leute, die auf ihren ersten Ötztaler hintrainieren. Eine Athletin, die ihre Sub-4h im RAD RACE ONE TWENTY knacken will. Ein paar, die einfach merken wollen, wie weit sie kommen, wenn sie eine Woche lang alles richtig machen. Kein Overload, keine Belehrungen. Kleine Hinweise, an der richtigen Stelle, im richtigen Moment. Genau das macht die Atmosphäre aus: Man spürt, dass man besser wird, ohne dauernd daran erinnert zu werden, dass man besser werden soll.
Zwischen Kaffee, Watt und keiner Ausrede
Die Pausen sind fast genauso wertvoll wie die Intervalle. Mit Espresso in den salzigen Händen um kleine Tische in spanischen Cafés. Gespräche über Trittfrequenzen mischen sich mit Lachen über verpasste Schaltpunkte. Alles leicht – aber nie belanglos. Hier entsteht nicht nur Form, sondern eine Art Trainingsgemeinschaft auf Zeit.
Was bleibt, wenn die Beine müde sind
Je länger das Camp dauert, desto klarer wird, wie viele Gedanken sich die Coaches gemacht haben. Die Routen passen wie Bausteine ineinander, die Belastungssteuerung ist kein Zufall. Und trotzdem wirkt es nie streng – eher wie ein Rhythmus, in den man hinein gleitet. Die Videoanalysen am Abend sind ein Beispiel dafür: Keine großen Bühnen, sondern ein Coach mit iPad, der ruhig erklärt, warum man in der Abfahrt zu spät umgreift oder am Anstieg unnötig Körner liegen lässt.
Was die Teilnehmenden besonders schätzen, merkt man in den Gesprächen: „Ich hätte gern noch mehr 1:1 – aber gleichzeitig war immer jemand da.“ oder „Strenger hätte ich’s manchmal gut gefunden.“ Und tatsächlich: Ab und zu wird ein Coach deutlicher, wenn jemand zum fünften Mal viel zu sanft aus der Kurve rollt. Aber immer mit einem Augenzwinkern und dem Gefühl, dass da jemand steht, der wirklich will, dass man besser wird.
Auch die kleinen Dinge bleiben hängen: Der Mechaniker, der klaglos jeden Schleifer richtet. Die Momente, in denen die Gruppe am Puig Major schweigt, weil die Aussicht jedem kurz die Sprache nimmt. Oder die abendlichen Gespräche an der Hotelbar, wenn sich Trainingsenthusiasmus und Müdigkeit zu einem weichen Summen mischen.
Am Ende nimmt jeder etwas anderes mit – mehr Selbstvertrauen, mehr Struktur, mehr Mut, intensiver zu fahren. Aber eines sagt jeder: „Ich fahr anders heim, als ich angekommen bin.“
















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